Wochenlanges Homeoffice und seine Folgen

Homeoffice, das klingt im ersten Moment nach einer willkommenen Abwechslung vom Büroalltag, nach einer ruhigen Kugel zu Hause, nach Jogginghose und Kaffee. Doch schon nach ein paar Tagen in der vorübergehenden Selbstständigkeit schlägt die Realität zu.

Professor Dr. Peter Fischer lehrt Arbeits-, Organisations-, Sozial- und Wirtschaftspsychologie an der Universität Regensburg und erklärt die Folgen des wochenlangen Homeoffice.

Wie wirkt sich Homeoffice auf die Arbeitsleistung aus?

Studien zeigen, dass Homeoffice sich grundsätzlich positiv auswirkt. Die Mitarbeiter zeigen zu Hause signifikant mehr Performance als im Büro. Es ist ein Stereotyp, dass man zu Hause weniger effizient sei als im Büro.

Was können Unternehmen in dieser Situation lernen?

Bis heute herrscht ein Mythos, dass man als Führungskraft im Homeoffice weniger gut führen oder seine Mitarbeiter lenken kann. Jetzt sind die Unternehmer gezwungen, Kontrolle abzugeben – und viele merken: Das funktioniert ja viel besser als gedacht! Das ist ein Lernprozess, der da eingesetzt hat. Auch Mitarbeiter, die sich gegen die Digitalisierung gewehrt haben – meist sind es ja ältere Menschen, die eine Aversion dagegen haben –, müssen sich jetzt Wissen aneignen. Sie müssen testen, was gut funktioniert und was nicht, welche Plattformen sich eignen und welche nicht. Dabei lernen sie automatisch etwas. Führungskräfte müssen die Kontrolle abgeben, wobei es ja nur eine Illusion der Kontrolle ist, dass man meint: Wer um 8 Uhr morgens im Büro aufschlägt, den habe ich im Blick. Man lernt, dass die Präsenzkultur weniger wichtig ist als Kommunikation. Diese ist für eine gute Zusammenarbeit unerlässlich. Die Unternehmer lernen also gerade, dass das Abendland wegen Homeoffice nicht untergeht. Zugleich bekommt die Digitalisierung einen großen Schub.

Wie schafft man es im Homeoffice, auf Dauer motiviert und kreativ zu bleiben?

Wichtig ist ein separater Raum, das wäre die optimale Lösung. Man richtet ihn gemütlich ein, mit einem Tor nach draußen. Man kann auch im Garten arbeiten und so das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Manche Menschen arbeiten gern in einer dunklen Kammer, ohne Ablenkung. Andere merken zurzeit, dass sie Homeoffice und Familie auch parallel gut stemmen können. Wichtig sind auf jeden Fall Pausen: Im Büro sind sie durch den Arbeitstakt vorgegeben, zu Hause muss man sie einplanen. Nach 55 Minuten fünf Minuten Unterbrechung gelten in der Pausenpsychologie als ideal, dazu kann man einen Wecker stellen. Dann macht man auch weniger Fehler und ist motivierter. Ein anderer Punkt ist die Frustration, die Menschen nach Wochen im Homeoffice spüren. Es fehlen Begegnungen mit anderen Menschen. Man spricht von „Belongingness“, dem Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe, die noch aus der Steinzeit in uns schlummert. Um diesem Gefühl in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen nahezukommen, sollte man statt Telefon und E-Mail möglichst oft auf Video zurückgreifen. Auch im Arbeitsumfeld zeigt die Forschung, dass Video die Kommunikation und die Arbeitsprozesse verbessert, weil der visuelle Kanal bedient wird. Denn dieser ist bei Menschen besonders dominant.

Dieser Text ist ein Beitrag aus dem kostenlosen Newsletter der Wirtschaftszeitung: www.die-wirtschaftszeitung.de/newsletter

Noch mehr zum Thema Homeoffice finden Sie auch bei den Kollegen von kult.de unter dem Titel „So gelingt die Arbeit im Homeoffice“.

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Professor Dr. Peter Fischer