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LandZEIT Mai 2015

9 oder sogar aus Regensburg.“ Die Mö- ninger Damenriege, die heute in der Werkstatt Schmelzglas-Objekte für ihren heimischen Garten fertigt, feiert hier den Geburtstag einer der Freun- dinnen. Nach einem Gläschen Sekt zur Einstimmung und einem Gang durch Kriegischs Ausstellung spru- deln die Ideen beinahe von selbst. Bunte Schmetterlinge aus Kristall- glas, Schalen und fantasievolle Gartenobjekte entlocken den Teilneh- merinnen „Ah“- und „Oh, wie schön!“- Rufe. „Ich bastle wilde Elemente“, legt sich Silke sofort fest und deutet auf einen Glasstecker für den Garten, der aussieht, als hätte jemand Konfetti darübergestreut. Die Vorgehensweise der Seminarteilnehmer sei ganz un- terschiedlich, erklärt Elgin Kriegisch und schiebt ihre Brille hoch, die ihr eben von der Nase gerutscht ist. „Manche denken sich selbst etwas aus, andere sehen etwas in unserer Ausstellung und basteln es nach.“ Immer wieder dreht die Künstlerin ihre Runde um den Tisch, schaut mal dieser und mal jener über die Schul- ter. Der Kampf ums Geodreieck ist eröffnet. Ebenso begehrt sind Stifte, Lineale und Pinsel. Schließlich müs- sen die Glasplatten, die als Träger für bunte Glasnuggets, Stäbchen und Granulat dienen, symmetrisch auf dem karierten Blatt Papier angeord- net werden. Faserpapier trennt die vier Millimeter starken Glasplatten, die später auf einen Metallstab ge- steckt werden. Nuggets, Granulat und feinste bunte Glasplättchen „Tupfer! Skalpell!“, tönt es durch die Werkstatt. Mit Konturenfarbe zeich- net Katja Kringel auf die Glasplatte. Damit die Plättchen und Nuggets nicht verrutschen, wenn das fertige Werk in den Brennofen kommt, träu- felt sie jeweils einen Tropfen Kleber darunter. „Das wird dunkelrot, das weiß ich“, murmelt Heike vom ande- ren Tischende. „Vielleicht streue ich erst Granulat drunter und dann ent- scheide ich, was dazu passt.“ „Misch- farben sind nicht möglich“, erklärt Bernd Kriegisch einer anderen Teil- nehmerin. Will man eine Farbe über die andere setzen, gibt man opakes Glas auf ein durchscheinendes, far- biges Plättchen. „Von dem Bunten würde ich auch noch was nehmen“, ruft Marion in die Runde. Elgin Krie- gisch reicht ihr einen kleinen Becher mit feinsten Buntglassplittern. Und dann ist es plötzlich so ruhig, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte. „Irgendwann ist es immer mucksmäuschenstill“, flüstert die Künstlerin. Dann bekommt der Vorgang des Gestaltens etwas Medi- tatives. „Selbst Menschen, die sonst eher hibbelig sind, kommen beim Glas-Fusing zur Ruhe.“ Es hat beinahe etwas Magisches, wenn sich der Geist des Gestaltenden an die Eigenschaf- ten des Materials angleicht: kristall- klar. STEPHANIE ULHERR Die besondere Faszination des Kristallglases rührt von seiner Klarheit her.Anders als Fenster- glas schimmert es nicht grünlich. Dadurch bricht sich das Licht in den Glaskunstwerken beson- ders schön. Fusing Glas – also geschmolzenes Glas – besticht durch seine brillante Farbe. Erst durch denn Brennvorgang bekommt es seine charakteris- tische, wellige Oberflächen- struktur. Info Unter fachkundiger Anleitung durch Elgin (Bild unten links, Mitte) und Bernd Kriegisch (Bild oben, rechts) basteln die Seminarteilnehmerinnen Schmelzglas-Objekte für den heimischen Garten.

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