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LandZEIT Mai 2015

29 Aus einer Schublade einer alten schweren Vitrine zaubert sie eine Originalhaarbürste aus Silber hervor: „Hier haben wir die Borsten entfernt und eine neue Holzplatte mit schönen neuen Naturborsten eingesetzt.“ Eine Großmutter möchte die Bürste ihrer Enkelin ver- machen und lässt später noch den Namen der Enkel- tochter eingravieren. Dann geht dieses Unikat auf die dritte Generation über. Stolz auf das alte Wissen eines Bürstenmachers Um das Traditionsgeschäft, das sich in der Glockengasse in Regensburg befindet, ranken sich noch mehr solche wunderbaren Geschichten. In dem Geschäft scheint die Zeit stillzustehen. Die Kunden fühlen sich hier wohl, plaudern ganz entspannt und erzählen von früher. Viele kommen von weiter her. Auch eine Dame aus Nordrhein- westfalen, die ihre regelmäßigen Aufenthalte in Regens- burg immer mit einem Besuch bei Bürsten Ernst ver- bindet: „Ich kenne die Familie schon so lange und weiß noch, wie Caroline hier in der Werkstatt aufgewachsen ist. Dort hinten hatte sie ihre Kiste mit Bettdecke. Schon als Knirps hat sie mitgeholfen.“ Caroline Jäger muss lachen: „Ja, so war das damals. Als Kind ist man eben nebenher gelaufen. Dafür habe ich mir alles selbst beigebracht.“ Dieses autodidaktische Können und Wissen ist heute ein wahrer Schatz. Auch wenn man den Beruf des Bürs- tenmachers heute noch erlernen kann, so hat sich doch vieles verändert. „Dieses alte Wissen können nur noch wir weitergeben. In Regensburg sind wir die einzigen, die noch von Hand fertigen. Dieses Wissen gilt es zu schüt- zen und zu erhalten“, sagt Caroline Jäger mit Nachdruck. Einen gut bezahlten Job in der Wirtschaft hat sie bereits vor Jahren aufgegeben. „Hier“, sagt sie und deutet auf das Geschäft und die Werkstatt, „hier ist meine Heimat. Hier fühle ich mich wohl und ich will auch nicht mehr weg.“ Das Gefühl von Heimat ist eben mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen. Aniko Ligeti „Ein handgefertigter Besen hält ein Leben lang“, weiß Waltraud Ernst.

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