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LandZEIT Mai 2015

19 ordnung auf. Bis dahin war alles, von den Socken bis hin zum Faden, genau vorgeschrieben. Danach regierte der Geldbeutel: Wer es sich leisten konnte, zeigte durch das Tragen von kostspieliger Tracht, dass „a Sach“ da war. Diese Phase hielt mit regionalem Einfluss 50 bis 60 Jahre an, dann verschwand dieses Phänomen um 1850 von der Bildfläche. Die Tracht variierte regional „Bis weit ins 18. Jahrhundert hat sich niemand für Tracht interessiert. Ein Umdenken kam mit der Entstehung des neuen bayerischen Staates. Erst damit begann sich langsam ein gewisses bayerisches Staatsgefühl zu ent- wickeln. Teil dieses Prozesses war, dass man sich der herkömmlichen Trachten besann“, erklärt der stellver- tretende Bezirksheimatpfleger. Bayernweit entstanden Stiche, die die quasi neu entdeckten Trachten zeigten. So sieht man auf einem Stich vor den Toren Ambergs Trachten einzelner Regionen der Oberpfalz. Der Mann in der westlichen Oberpfalz trug beispielsweise eine Art Zylinder, während in Cham eher ein breitkrempiger Hut gewählt wurde. Auch die Farben der Stoffe waren von Region zu Region unterschiedlich. Eine Schönheit aus Waldsassen sticht in leuchtendem Blau hervor, während die Dame aus Cham in gediegenen Farben in Augen- schein tritt. „Bodenständige Kultur“ für die Touristen Der erste Trachtenverein wurde 1884 gegründet und damit wurde dann auch die Vereinskleidung definiert und festgeschrieben. Der zusätzliche Touristenboom vor allem in Oberbayern verhalf der Tracht zusätzlich zum Aufschwung. „Es gibt Quellen, die belegen, dass man eine sogenannte bodenständige Kultur sehen wollte, und hat dann Heimatabende in Tracht veranstal- tet“, weiß Wax. Nach dem Zweiten Weltkrieg sorgten vor allem die Trachtenvereine dafür, dass die Tracht im öffentlichen Bewusstsein blieb. Heute werde Tracht zu besonderen Anlässen wie etwa bei Hochzeiten und auf Festen und Veranstaltungen getra- gen. Auch wenn die neueste Mode vielleicht grelle Farben, markante Muster und extravagante Schnitte, vor allem für moderne Volksfestdirndl vorgibt, rät der Experte: „Ein Dirndl sollte zur eigenen Haut-, Augen- und Haarfar- be passen und im besten Fall die Region widerspiegeln.“ Denn das zeige den Heimatgedanken und setze die Hei- matpflege nach außen perfekt um. ANIKO LIGETI

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