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LandZEIT Mai 2015

18 Tracht – EIN STÜCK HEIMATGESCHICHTE iM gESPrÄCh A uf der Dult, dem Volks- oder Oktoberfest sieht man sie wieder: Da kommen trauben- weise fesche Madln sauber in Dirndl oder knappen Lederhosen und die männlichen Begleiter in Buxn daher – in knalligen Trendfarben oder gar in schrei- endem Neon, womöglich noch in Turnschuhen. „Das kann man machen, muss man aber nicht“, gibt Jo- hann Wax, stellvertretender Bezirksheimatpfleger Oberpfalz mit einem Augenzwinkern zu verstehen. „Tracht hat mit Heimat und mit der Verbundenheit zur Region zu tun.“ Tracht wurde früher mit Stolz getragen Auch wenn der studierte Volkskundler es sehr be- grüßt, dass sich die Jugend oder junge Erwachsene wieder für Tracht interessieren, möchte er dennoch auf die Historie der Ahnen verweisen. „Schauen Sie“, sagt der 60-Jährige, „gestern kam eine junge Frau zu mir. Im Nachlass der Großmutter wurden alte Bilder gefunden. Darunter waren auch Fotos von Familienan- gehörigen, die Tracht trugen, zum Bespiel die Urgroß- eltern, die einst in Tracht geheiratet hatten. Das war ein sehr feierlicher Anlass, denn Tracht war damals teuer. Aber man hat gerne gezeigt, aus welcher Re- gion man kam. Und das haben diese Menschen da- mals mit Selbstbewusstsein zur Schau getragen.“ Wenn man Wax allerdings nach der typischen Ober- pfälzer Tracht fragt, lächelt er milde und winkt gleich ab: „Eine typische Oberpfälzer Tracht gibt es nicht. Punkt.“ Und der passionierte Heimatpfleger setzt noch ein Statement hinzu: „Genauso wenig gibt es den typischen Oberpfälzer Dialekt, denn es existie- ren acht verschiedene.“ Eine Ausstellung ist geplant Wax weiß, wovon er spricht, er gilt als Koryphäe auf seinem Gebiet, das mitunter eben auch die Trachten- beratung miteinschließt. Gerade entsteht ein Begleit- band zur Ausstellung „Tracht in der Oberpfalz“, die für 2016 geplant ist. Rund um dieses Thema werden dann mehrere Museen, wie etwa das Stadtmuseum Weiden mit grenzübergreifenden Trachtenaccessoires oder das Stadtmuseum Schwandorf mit original Trachtenunterwäsche, zu einem besseren Verständnis beitragen. „Ein Versuch ist es allemal wert“, sagt Wax, „denn die wenigsten wissen über die Historie von Tracht wirklich Bescheid.“ 1789 löste sich die Kleider- Bei der Erneuerung der Tracht stehen der Heimatgedanke und die Heimat- pflege an vorderster Stelle. Johann Wax ist stellvertretender Bezirksheimatpfleger für die Oberpfalz.

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