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LandZEIT Mai 2015

13 Zaun und besondere Pflege durch die Besitzer. Der Wunsch, die eigenen Lebensumstände zu verbessern, stand hinter jeder Art von bäuerlichem Gartenbau. Welche Ausprägung haben Oberpfälzer Bauerngärten? Die Gärten waren häufig klein und verwinkelt. Im 19.Jahr- hundert wurden sie als nicht besonders gepflegt beschrie- ben. Stall- und Feldarbeit standen immer im Vordergrund. Für die Gärten blieb den Bäuerinnen oft nur wenig Zeit.As- pekte der Erholung oder Verschönerung hatten außerdem in einer Region, die von Armut und Abwanderung geprägt war, nur eine untergeordnete Bedeutung. Der Schwerpunkt lag auf Nützlichkeit.Trotzdem spielten auch Zierpflanzen eine Rolle. Man hat sich sicher schon frühzeitig aus der freien Natur bedient und sich eine bescheidene Auswahl an Blütenpflanzen und Blumenzwiebeln in die Gärten geholt. Andere Zierpflanzen sind schon vor Jahrhunderten aus den Klostergärten in die bäuerlichen Gärten gekommen, zum Beispiel die Pfingstrose.Viele Zierpflanzen waren als Grab- und Kirchenschmuck wichtig oder verschönerten die Klei- dung, etwa Rosmarin,Veilchen oder Schwertlilien. Waren die Klostergärten Vorbilder für die bäuerlichen Gärten? Sie hatten mit Sicherheit großen Einfluss auf die abend- ländische Gartenkultur, besonders im Mittelalter. In der Neuzeit übernahmen die Gärten des Adels und der reichen Bürger diese Funktion.Aus Amerika, Ostasien und dem Ori- ent fanden neue blühende Stauden, Sträucher und Zwiebel- gewächse den Weg in Fürsten- und Apothekergärten.Viele Vertreter der Oberschicht waren ab dem 18.Jahrhundert an der Hebung des Bauernstandes interessiert und mach- ten Vorschläge zur Verbesserung der Lebensbedingungen durch Gartenbau. Und wie kamen schließlich auch die neueren Zierpflanzen in die bäuerlichen Gärten? Das Teilen von Wurzelstöcken, das Abbrechen von Ablegern und das Abnehmen von Samen waren hinlänglich bekann- te Methoden, Pflanzen zu vermehren. Im 19.Jahrhundert schließlich begannen sich Handelsgärtnereien zu verbrei- ten. Blumen wurden zur Ware und fanden durch Kauf oder noch eher Tausch ihren Weg in die bäuerlichen Gärten. In der Oberpfalz beispielsweise waren um 1860 Phlox,Tagetes und Dahlie schon verbreitet.Wichtiges Kriterium neben dem hohen Zierwert war immer die Pflegeleichtigkeit. Wie sieht ein moderner Bauerngarten aus? Als typisch wird oft das Wegekreuz erachtet, das einen Garten in vier gleich große Beete teilt, außerdem eine Buchseinfassung. Diese beiden Elemente haben sich in den vergangenen Jahrzehnten als stilprägende Elemente durch- gesetzt, auch wenn sie nicht überall, vor allem in der Oberp- falz, verankert waren.Wer es weniger formal möchte, wählt eine Einfassung aus Wurzelpetersilie, Sauerampfer, Schnitt- lauch oder aus einjährigen Sommerblumen.Ansonsten spielt Naturnähe wohl die größte Rolle: Die Wege bleiben offen, die Zäune bestehen aus Naturmaterialien.Wer sich bei der Bepflanzung an Traditionen orientiert, wird pflege- leichte Stauden wählen, zum Beispiel Pfingstrosen, Phlox, Alant oder Eibisch. Eine Heilkräuterecke erfüllt nebenbei den Zweck einer Insektenweide. Ein- und zweijährige Som- merblumen wie Tagetes, Ringelblumen, Stockrosen und Astern versprühen ländlichen Charme, außerdem lassen sie sich einfach selbst vermehren. Beim Gemüse werden alte samenfeste Sorten immer beliebter. Bäuerliche Gärten ha- ben immer Neues aufgenommen: Sonnenblumen, Dahlien, Kürbisse und Tomaten. Heute sind mit der entsprechenden Freizeit und Hilfsmitteln Chili, Paprika oder Artischocken möglich geworden.Jeder Gartenbesitzer probiert gern aus. Und erlaubt ist sowieso alles. DAS INTERVIEW FÜHRTE BIRGIT DAUENHAUER Wer glaubt, dass Bauerngärten schon immer ein Bild der Idylle boten, irrt gewaltig. Die freischaffende Histo- rikerin Bettina Kraus aus Laaber räumt gründlich auf mit diesem weitverbreiteten Vorurteil. Der bäuerliche Gartenbau war eine zusätzliche harte Arbeit der tief- gläubigen Vorfahren. Die Gärten waren so konzipiert, dass sie möglichst wenig Arbeit verursachten. Oft war der Ärger groß, wenn Hühner, Gänse, Ziegen und an- dere Haustiere ein Loch im Hanichelzaun entdeckten und sich über das Grünzeug hermachten.Am Beispiel der historisch angelegten Gärten des Oberpfälzer Frei- landmuseums in Neusath bei Nabburg werden die alten Würz- und Samgärten wieder lebendig. Bettina Kraus,Günter Moser (Fotos): Kreuz,Birnbaum und Hollerstauern – Oberpfälzer Bauerngärten und ihre Geschichte, 128 Seiten,Buch- und Kunstverlag Oberpfalz, ISBN 978-3-935719-81-0,24,95 Euro Wer glaubt, dass Bauerngärten schon immer ein Bild BuChTipp: Von hausgärten, Samgärten und Bauerngärten Sommeraster Schmuckkörbchen Bettina Kraus

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